Bedeutet Demokratie für Dich eher das Prinzip der Mehrheitswahl oder die diskriminierungsfreie Partizipation am Diskurs?
Das ist eine gute Frage.
Die diskriminierungsfreie Partizipation am Diskurs ist Voraussetzung dafür, dass eine ehrliche Frage gestellt werden kann. Ansonsten kann ein Antrag so gestellt werden, dass es nur "unwählbare" Alternativen gibt. Auch kann niemand an alle Punkte denken, eine Verbesserung von Möglichkeiten ist also zwingend erforderlich.
(Denken wir nur an Stuttgart 21 ... meiner Meinung nach hat die frühe Festlegung auf S21 - und damit auch die Festlegung auf die Konfrontation S21<->K21 - verhindert, das echte Alternativen geprüft wurden. Ein offener Diskurs hätte hier unter Umständen eine deutlich bessere dritte Version ins Gespräch gebracht).
Auch halte ich eine reine Mehrheitswahl nicht unbedingt für das geeignete Mittel demokratische Entscheidungen zu treffen. Sicher, im Extremfall kann eine Entscheidung auf 51:49 herauslaufen und dementsprechend zugespitzt fallen. Auch diese Entscheidung sollte dann demokratisch akzeptiert werden. Aber besser wäre die Suche nach einer Alternative, die dann vielleicht eine breitere Mehrheit hinter sich bringen würde. Vielleicht müssten einzelne Menschen dann Abstriche machen - aber für den Frieden in der Gesellschaft, die Akzeptanz der Entscheidung und unter Umständen auch für die Qualität der Entscheidung wäre das sinnvoll.
Insofern würde ich sagen: Demokratie benötigt einen offenen, diskriminierungsfreien Diskurs und die Suche nach einem ausreichend breiten Konsens.



