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    1. Depone

      um es kurz und mit einem anglizismus zu sagen: ich bin »pro gay«. das habe ich kürzlich in meinem blog angedeutet: http://danielehniss.de/2010/08/30/notiz-der-woche-34/

      in meinem kopf reifen dazu gerade noch ein paar gedanken, die ich hoffentlich demnächst nochmals ausführlicher in mein blog tippen werde. genügt dir das zunächst als antwort?

    2. Depone
    3. Depone

      im hintergrundbild seht ihr das symbol, das von meinem freund denis holzmüller für ein buchprojekt entwickelt wurde, das ich mit björn wagner zusammen herausgegeben habe: http://beziehungsweise-leben.de

      von dem symbol bin ich begeistert. denis hat hier ein symbol der dreieinigkeit aufgegriffen und dabei den einen flügel zu einem herz verwandelt. aus meiner sicht steht es für die gottesgemeinschaft und die einladung gottes an uns menschen in seiner gemeinschaft zu leben, und an seinem handeln mitzuwirken.

    4. Depone

      sehr gute frage. bin heute das erste mal seit langem wieder hier. interessante fragen... werde wieder ein paar davon beantworten.

    5. Depone
      depone responded to freiheit 10 Jan 10

      mittlerweile würde ich sagen - beides gleich gerne. momentan fehlt mir leider meistens die zeit formspring-antworten zu schreiben.

    6. Depone

      Zur ersten Frage stelle ich erst mal eine Gegenfrage: woran machst du fest, dass die Bewegung gerade jetzt aufkommt?

      Meiner Ansicht nach sucht die Bewegung nach einem ganzheitlichen Ausdruck der Nachfolge in unserer Zeit. Das verstehe ich zunächst als Antrieb der nicht unbedingt im Gegensatz zu einer anderen Strömung steht und sich daher nicht direkt gegen jemanden stellt. Sicher geht mit dieser Orientierung eine gewisse Herausforderung an ein dualistische Weltsicht einher, ich verstehe sie jedoch nicht im Gegensatz zu einer bestimmten Gemeinderichtung. Die ökumenische und dialogische Ausrichtung sehe ich ebenfalls mit dem Suchen nach einer ganzheitlichen Nachfolge in unserer Zeit verbunden.

    7. Depone

      Ich beginne meine Erklärung damit, dass es sich um eine Bewegung handelt. Eine Bewegung von Menschen, die sich fragen wie Nachfolge, Theologie und damit auch Kirche heute aussehen kann. Dieses Fragen ist gekennzeichnet durch eine ganze Reihe von Experimenten und dem Miteinbeziehen von unterschiedlichen Disziplinen wie Soziologie und Philosophie. Und ich denke, an dieser Stelle würde ich auch zunächst aufhören und sehen ob sie weiter nachfragt.

    8. Depone

      Mir scheint als könne ich die Frage nach den Vorbildern nicht ausreichend beantworten, ich sehe Vorbilder in ganz unterschiedlichen Bereichen meines Lebens. Auf der einen Seite würde ich bspw. Jürgen Moltmann, Hans Küng und N.T. Wright als Vorbilder im Sinne der Theologie nennen. Natürlich auch Dietrich Bonhoeffer der in seiner Zeit meiner Ansicht nach konsequent und auch intellektuell redlich nachfolgte. Martin Buber zähle ich ebenfalls zu meinen Vorbildern. Auf unterschiedlichen Ebenen inspirieren mich aber auch eine ganze Reihe von Personen in meinem Umfeld und sind mir Vorbild für meine Leben - meine Frau, meine Kinder, meine Eltern und meine Freunde. Sie alle lehren mich zu leben und sind mir in unterschiedlichen Bereichen Vorbilder an denen ich mich orientiere.

    9. Depone

      Ich finde es immer etwas schwierig über „Schwächen“ zu reden. meiner Ansicht nach sind wir schon ausreichend „Problemorientiert“ geprägt. Das sage ich nicht, um zu sagen es gäbe keine Schwächen oder Herausforderungen, wie ich diese Bereiche lieber nenne. Nun werde ich kurz ein paar solcher Herausforderungen skizzieren, und würde mich dann gerne wieder den Möglichkeiten und dem Potential zuwenden:

      - wie bereits erwähnt sehe ich eine Herausforderung in der Tatsache, dass die emerging Church Bewegung von Manchen im Sinne eines Modells wahrgenommen wird. Das hat sicher damit zu tun, dass wir mit „neuen Formen“ experimentieren und manches anders aussieht - bzw. manche Bücher in diese Richtung verstanden werden können. Mir sind in der Bewegung der Dialog und das Experimentieren in Verbindung von Praxis und Theorie wichtig und ich verstehe sie keinesfalls als Modell.

      - eine andere Herausforderung sehe ich in der kognitiven Auseinandersetzung mit bestimmten Fragestellungen. Eigentlich handelt es sich dabei um eine doppelte Herausforderung. Auf der einen Seite erfordert eine kognitive Auseinandersetzung, die mit dem Anspruch betrieben wird intellektuell Redlich zu sein, eine gewisse denkerische Fähigkeit und einiges an Vorwissen bzw. den Willen sich der eigenen blinden Flecken zu stellen und weitere Informationen und Perspektiven heranzuziehen. Dies verdeutlicht die tatsächlich vorliegende Komplexität der Wirklichkeit bzw. der Fragestellung. Auf der einen Seite schließt dieses Vorgehen manche Menschen aus, die es als intellektuelle Spielerei wahrnehmen oder von den verwendeten Begriffen ausgegrenzt fühlen, auf der anderen Seite führt das zu einer gewissen Sprachlosigkeit, da manch gewohnte Formulierung oder Glaubenspraxis der Komplexität nicht ausreichend Rechnung trägt. Es wird daher weiter die Herausforderung sein, diese Auseinandersetzung integrativ zu betreiben, dabei den Anspruch nicht zu vernachlässigen, und gleichzeitig weiter darum ringen eine angemessene Sprache (wobei ich diesen Begriff hier sehr weit fasse) zu finden.

      - die dritte Herausforderung auf die ich eingehen möchte sehe ich in einem Punkt, der eben schon anklang - eine gewisse Sprachlosigkeit. Durch eine dekonstruktivistische Praxis geben manche Beteiligten grundlegende Standpunkte auf, da sie feststellen dass bei all dem was gerade in den Standpunkten nicht formuliert wird eine große Lücke klafft. Dies führt zu einer Sprachlosigkeit die bisweilen sogar zu einer gewissen „Glaubenslosigkeit“ gehen kann. Ich halte dies zunächst gar nicht für ein großes Problem und denke auch, dass gerade in einem solchen Leerraum ein großes Potential steckt. Allerdings stelle ich fest, dass es über diese Situation viel Kommunikationsbedarf braucht um nicht in alte Muster zurück zu fallen oder in diesem Leerraum das Suchen, Fragen, Experimentieren aufzugeben.

      - eine Sache, die ich bereits leicht gestreift habe ist auch die Verengung der emerging Church Bewegung auf Kirche bzw. Gemeinde. Darin sehe ich eine starke Herausforderung. Meiner Ansicht nach geht es um das ganze Leben, mit all den unterschiedlichen Bereichen. Dieses ganze Leben möchte ich im Einklang mit Gott, Menschen und Natur leben. Und so sehe ich hier auch keine Trennung, sondern gerade die Chance diese unterschiedliche Bereiche miteinander in einen Dialog zu führen und die Synergien zu beobachten und zu fördern. Darüber hinaus handelt es sich sicher um eine Bewegung von Christen, soll jedoch meiner Ansicht nach nicht mit starren Grenzen versehen werden und sich immer des Dialogs bewusst sein, den ich auch in der anderen Antwort versucht habe zu verdeutlichen.

      - eine letzte Herausforderung, auf die ich eingehen möchte, sehe ich in der Verengung der emergenten Bewegung auf das evangelikale Spektrum. Einige der einflussreichen Stimmen der emergenten Bewegung entstammen dem evangelikalen Spektrum und wirken teilweise noch in ihm (dies ist auch weltweit zu beobachten), dennoch halte ich die Bewegung für eine ökumenische Bewegung und freue mich gerade daran, dass dies auch in der Öffentlichkeit stärker so wahrgenommen wird.

      _

      auch dieses Mal habe ich die Antwort auch in mein Blog geschrieben, vielleicht gibt es dort ergänzende Kommentare: http://danielehniss.de/2009/12/15/herausforderungen-emerging-church/

    10. Depone

      auch das ist eine gute frage. zumindest würde das dem ruf entsprechen, den die bewegung in manchen kreisen „genießt“.

      ich kenne einige in der bewegung, die weder jung sind noch zu einer freikirche gehören. aber ohne scherz, ich denke, die bewegung ist bei weitem heterogener als sie auf manche wirkt.

      es gibt sicher einige intellektuelle in der bewegung, und ja, ich würde auch sagen, dass es mir wichtig ist dass wir eine auch intellektuell redliche nachfolge leben/theologie betreiben. es gibt aber zum beispiel auch eine ganze reihe von kreativen. es gibt sowohl diejenigen die in anderen kirchen nicht integriert werden können und/oder wollen, daneben gibt es aber auch diejenigen die sehr gut integriert sind.

      ein gewisses maß an unzufriedenheit mit dem status quo spielt sicher mit, wenn man sich auf den weg macht weiter zu suchen, fragen zu stellen, und zu experimentieren. bei vielem sehe ich diese unzufriedenheit jedoch gepaart mit einer hoffnung und einer positiven grundhaltung.

    11. Depone

      Vielen Dank für deine Frage - da meine Antwort hier etwas länger ausgefallen ist und ich gerne noch weitere Stimmen ins Gespräch einladen möchte habe ich deine Frage und meine antwortenden Gedanken auch in mein Blog geschrieben, den Eintrag dazu findest du hier:http://danielehniss.de/2009/12/14/emerging-church-frage-und-antworten/

      Nun aber zu meinen antwortenden Gedanken:

      Meiner Ansicht nach ist es recht schwer von „der“ emerging Church im Allgemeinen zu sprechen, da es sich bei ihr um eine recht heterogene Bewegung handelt. Dennoch möchte ich mich an einigen Gedanken dazu versuchen:

      Eine Besonderheit dieser Bewegung ist das Zusammenkommen der unterschiedlichen Strömungen/Traditionen der weltweiten Christenheit. Es treffen sich Menschen mit großkirchlicher Prägung, aus freikirchlichen Kreisen und Menschen die sich keiner dieser Traditionen zugehörig fühlen. Konservativere und innovativer Persönlichkeiten begegnen einander und suchen ohne Denkverbote und Fraktionszwänge nach Möglichkeiten für Nachfolge, Spiritualität und Kirche in unserer Zeit und Gesellschaft. Ich verstehe die Bewegung als eine ökumenische Bewegung, die die unterschiedlichen Traditionen miteinander ins Gespräch bringt und auf unterschiedlichste Weise Eingang in die Gestaltung der jeweiligen Gegenwart und Zukunft findet.

      Den Begriff „Church“ des gebräuchlichen Namens der Bewegung verstehe ich als Kirche weit gefasst. Ich verbinde ihn daher mit der weltweiten Christenheit. Also nicht einer bestehenden Kirche und schon gar keiner konkreten Kirchengemeinde. Diese Spezifizierung meinerseits weist auch auf eine Schwäche hin, manche verbinden mit „emerging Church“ ein bestimmte Gemeinde, oder gar ein Modell, eine bestimmte Art Gottesdienst zu feiern… Für mich stehen die Fragen nach Nachfolge und Spiritualität vor den Fragen der Organisation. Auf diese Weise sehe ich die Bewegung genauso in traditionellen Kirchen wie in kleinen innovativen Gemeinschaften entstehen bzw. konkrete Formen annehmen. Meiner Ansicht nach bezeichnet der Begriff eine Bewegung die sich des konkrete Lebens annimmt und diese so genannten praktischen Aspekte mit so genannter theoretischer Reflexion verbindet.

      Ein wichtiger Wert der Bewegung ist meiner Ansicht nach der Dialog. In diesem Sinne stehen unterschiedliche Personen und damit auch Positionen im Dialog miteinander. Dieser Dialog beschränkt sich weder auf die „Gemeindepraxis“, die „Theologie“ oder gar auf den „Kreis der Christen“, sondern geht bewusst weit darüber hinaus. Unterschiedliche Disziplinen werden gehört und sowohl ihr Vorgehen als auch ihre Ergebnisse werden reflektiert. Und auch in persönlichen Begegnungen steht der Wert des Dialogs im Zentrum. Im Bewusstsein der Notwenigkeit lebenslang zu lernen finden Begegnungen und Austausch statt. Eine Position oder Erkenntnis wird nicht als letztgültig angenommen, sondern als Prozess verstanden auf den unterschiedliche Faktoren Einfluss haben und der immer nur vorläufig bleiben wird. Überall wird nach den Spuren Gottes Ausschau gehalten. In jeder Situation und in jeder Begegnung mit einer Person wird die Möglichkeit angenommen dass Gott kommuniziert. Dies führt natürlich auch zu einem grundsätzlich anderen Verständnis von Mission. So wird diese allgemein gesprochen als Partizipation am Handeln Gottes verstanden. Es geht nicht (vielleicht muss ich der Vollständigkeit halber, da ich nicht nur für mich reden möchte, hinzufügen „nur“) darum zu erleben, dass jemand den Weg der Nachfolge einschlägt, sondern allgemein um die Partizipation am Handeln Gottes in den unterschiedlichsten Bereichen (hier seien gerade auch Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit genannt).

      Meiner Ansicht nach handelt es sich um eine Bewegung, der es darum geht ganzheitlich zu leben. Die unterschiedlichen Lebensbereiche werden bewusst verbunden, ein möglicher Dualismus, der sich beispielsweise an der unterschiedlichen Gewichtung von Geist und Materie zeigt, wird stark in Frage gestellt und zum Teil durch das Aufzeigen seiner Wurzeln entkräftet.

      Ein Dialog mit der Gesellschaft als solcher wird praktiziert, und zwar ohne Hintergedanken, sondern um des Dialogs und der Teilnahme an gesellschaftlichen Vollzügen wegen. So wird beispielsweise Kultur um der Kultur willen gefördert.

      Mir scheint als könnte ich hier noch sehr lange weiter schreiben, will es aber hiermit zunächst bewenden lassen und freue mich auf die Kommentare und evtl. weitere Nachfragen.

    12. Depone

      das system der anonymität gefällt mir nicht. ich antworte bei weitem lieber einer gesprächspartnerin oder einem gesprächspartner.

    13. Depone
    14. Depone

      gute frage, die habe ich schon lange nicht mehr so direkt gesammelt. leben und handeln im einklang mit gott, menschen und natur. bringt uns der antwort näher. zu meinen werten gehören demnach sicher offenheit, treue, gerechtigkeit, nachhaltigkeit und schönheit. hm.

    15. Depone

      wo wäre ich deiner Meinung nach besser gelandet als in dieser heterogenen bewegung?

    16. Depone
    17. Depone

      vielleicht ist gerade das innovative an der emerging church bewegung, dass sie unterschiedlichste bereiche des lebens, der theologie, der tradition, unterschiedliche disziplinen und alle möglichen anderen fragen der gegenwart in einen lebendigen dialog bringt und daraus einen neuen mix kreirt. bei aller achtung vor der katholischen kirche - oder gar der großkirchen im allgemeinen - als innovativ würde ich diese nicht bezeichnen ;)

    18. Depone
    19. Depone

      kurz gesagt: nein.

      das hängt aber vor allem damit zusammen, dass ich sehr gerne freiberuflich arbeite und unterschiedliche bereiche miteinander verknüpfe die auf den ersten blick nicht zwingend zusammen passen. grunsätzlich bin ich aber auch beruflichen optionen im bereich der weltweiten kirche (wie du das sehr schön genannt hast) sehr offen, sollte eben auf freiberuflicher basis sein und im besten fall zu mir passen. bevor ich „irgendeinen job“ im bereich theologie mache, arbeite ich in einem café oder so.

    20. Depone
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