
Ist es nicht sehr unspannend, Leute direkt zu befragen? Ist es nicht viel interessanter sie zu indirekt, über ihre Aussagen, ihre links, ihren Humor kennenzulernen? Und dient das Ganze nicht letztlich nur dazu, einmal im Rampenlicht zu stehen wie ein "Pr
War das Fragestellen denn unspannend? Es blieb doch offen, ob und wie ich diese Frage beantworten werden. Und bevor sie gestellt wird weiß ich meine Antwort doch häufig selbst nicht einmal. Das meinte ich in meiner Formspring-Definition, "Anonyme Fragesteller geben Anlass zur Selbstreflektion" (Hirsch, 2009).
"Ambient Intimacy" (Reichelt, 2007) kann man auch sicher auch in anderen Web2.0-Diensten erleben. Oder viel direkter beim alten Spiel Wahrheit-oder-Pflicht. Dazu braucht es also kein Formspring. Das diskrete Nachfragen hier bietet jedoch Gelegenheit, Lücken im Bild der anderen Person zu schließen, ohne zuzugeben, dass man diese hat ("was ich schon immer mal wissen wollte…"). Oder man kann den Finger auf beiderseits bekannte Wunden legen. Das sieht man z.B. schön bei Martin Lindner: http://www.formspring.me/jurijmlotman
Sicherlich geht es am Ende um unser ewiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, unsere 15 RTs of Fame. Formspring-Fragen, Twitter mentions, einfach mal geknuddelt werden. Im Grunde dasselbe. "Technology is making more and more obvious how connected we all are". Ich meine beim Durchklinieren bestimmter Elemente von Social Software (mutual friendship vs. asymetric follow, anonymous questions & public answers) lernen wir langsam immer besser zu verstehen, wie Medien und Gesellschaft funktionieren. Das ist für mich der Reiz.

