Wie verhältst du dich, wenn du in reinen Männergesellschaften bist? Gibt es einen Unterschied zu deinem Verhalten in Frauengesellschaften?

  • Antje Schrupp

    Wenn ich in einer reinen Männergesellschaft bin, dann ist es ja keine Männergesellschaft mehr  - Wie auch immer, ich weiß gar nicht, ob ich selbst mich jeweils anders verhalte. Aber ich nehme durchaus Unterschiede wahr, je nachdem ob es eine gemischte Gesellschaft ist, oder eine, in der überwiegend oder ausschließlich Frauen sind. Wenn viele Männer anwesend sind, rechne ich sozusagen mit „kulturellen“ Unterschieden. Zum Beispiel achte ich in Männergruppen mehr darauf, ob das, was ich sage (oder was andere Frauen sagen), auch aufgegriffen und beachtet wird, weil das nicht unbedingt selbstverständlich ist. In reinen Frauen oder von Frauen geprägten Kontexten ist das nicht so nötig. Wenn Männer mir widersprechen, überlege ich genauer, ob sie mich vielleicht falsch verstanden haben und ich es anders ausdrücken oder in ihren Kontext „übersetzen“ muss, während das Frauen gegenüber selten notwendig ist, weil es sich, wenn Widerspruch kommt, meistens um echte Differenzen handelt und nicht um Missverständnisse (kann aber auch vorkommen). In Männergruppen muss ich manchmal auch einfach die Differenz markieren, indem ich zum Beispiel sage: „Das kann ich jetzt nicht nachvollziehen, vielleicht liegt das daran, dass ich eine Frau bin.“ Das nimmt den Druck raus, sich einigen zu müssen. Das geht in Frauengruppen natürlich nicht, da muss der Konflikt dann auf einer anderen Ebene ausgetragen werden. Jedenfalls bin ich mir immer sehr bewusst, ob ich es gerade mit Frauen oder mit Männern zu tun habe, und meistens fahre ich ganz gut damit.