Können Männer Feministen sein?
Na klar, warum nicht? Auf jeden Fall können Männer Feministen sein! Ich kenne auch einige (allerdings nicht viele…). Die Frage ist natürlich, was das bedeutet. Meiner Meinung nach muss ein „Feminist“ nicht bestimmte Ansichten vertreten (auch Feministinnen sind ja oft unterschiedlicher Meinung). Aber er muss sich für die Ideen und Ansichten von Frauen interessieren. Einen Feministen erkennt man zum Beispiel daran, dass er feministische Bücher zu seinem Fachgebiet liest oder bei Frauen nachfragt, was sie zu diesem und jenem denken. Ein Feminist bildet sich seine Meinung in der ernsthaften Auseinandersetzung mit originellen und quer denkenden Frauen und findet das besonders interessant, wenn die Frauen dabei andere Aspekte und Perspektiven einbringen als die, die er sowieso schon selber kannte. Ein feministischer Mann ist einer, der weiß, dass die männliche Perspektive nur eine partikulare ist und dass ihm etwas fehlt, wenn er nur unter Männern und im Rahmen eines männlichen Denkens und einer männlichen Kultur bleibt. Ein unfeministischer Mann hingegen ist einer, der glaubt, alles an seiner eigenen Norm von Universalität messen zu können, und der Frauen nicht vermisst, wenn keine da sind. Dem es also zum Beispiel gar nicht auffällt, wenn auf einem Podium, in einem Gremium, in einem Ausschuss keine Frauen mitmachen. Leider tut diese Sorte Männer heutzutage manchmal so, als seien sie die besseren Feministen und hätten die objektiv „richtigere“ Meinung im Bezug auf die Geschlechterfrage. Die finde ich gefährlicher als die alten Patriarchen mit ihrer offenen Frauenfeindlichkeit.


