Entweder verwelken Blüten oder Keime sprießen neu.
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Manchmal, in sehr schwachen Momenten, kommen Gedanken über mich, die ich eigentlich besser nicht denken sollte, denn in ihnen wünsche ich still und heimlich meinem Gegenüber die Multiple Sklerose an den Hals. Manchmal, in sehr schwachen Momenten, wenn Symptomatik und Beschwerden nicht ernst genommen, oder verherrlicht werden. Manchmal, in sehr schwachen Momenten, wenn welche um mich herum Schmerz objektiv betrachten. Manchmal, in sehr schwachen Momenten, wenn mich die Erkrankungen an Aktivitäten hindert und mich im gesellschaftlichen Leben und im Alltag nicht vorankommen lässt und ich deswegen unberechtigte Kritiken erhalte. Manchmal, in sehr schwachen Momenten, wenn mir deswegen engste zwischenmenschliche Beziehungen plötzlich keinen Halt mehr geben, sagen, was nicht gesagt werden sollte, und sich mit ihren Aussagen gegen mich stellen. Manchmal, in sehr schwachen Momenten, wenn mir nur noch Selbstmitleid bleibt. Manchmal, in sehr schwachen Momenten, bevor ich wieder zu Sinnen komme und mich dann dafür hasse, weil die Diagnose eine Sache ist, die auch meine Erzfeindin nicht verdienen würde.
Aber einmal, in einem sehr schwachen Moment, da sprach ich diesen Gedanken aus.
"Das wünsche ich mir auch, Melissa. Das wünsche ich mir seit uns die Ärzte davon mitteilten. Es tut mir leid, dass ich Dich in so vielen Hinsichten nicht verstehen kann, doch glaube mir, wenn ich könnte, wenn die Möglichkeit bestünde, das gleiche wie Du durchleben zu müssen, ich würde es tun, um Dir die Unterstützung zu geben, die Du bräuchtest. Eine Mutter sollte ihr Kind sowas nicht alleine durchstehen lassen müssen."
Manchmal, in sehr schwachen Momenten, kommen aber auch die Gedanken über mich, die ich denken sollte, denn durch Unwissenheit und mangelndes Verständnis bemerke ich, wie glücklich sich all jene schätzen können, die nicht begreifen (wollen). Sie sind gesund. Sie wissen nicht, wie es ist, wie es sich anfühlen kann. Und das ist auch gut so. Immer. In stärkeren Momenten. -
Mich operierten sie an einem Totensonntag gegen 17 Uhr. Da es nur ein recht kleiner Eingriff war, war ich innerhalb von eineinhalb Stunden fertig. Vor dem Weg in den Operationssaal wurde mir zum ersten Mal Valium zur Beruhigung verabreicht, und da ich die Wirkung des Mittels bis zu dem Moment nicht kannte, war ich ziemlich überwältigt, sodass ich mir noch nicht einmal die Strecke dorthin merken konnte, die ich im Bett geschoben worden bin. Angekommen, hätte ich ohne Valium definitiv Angst gehabt. Operationssäle werden im Gegensatz zu den meisten Psychiatrien in Fernsehserien naturgetreu dargestellt, ohne Tageslicht, nur mit den klassischen Leuchten künstlich aufgehellt, und der zuständige Arzt war äußerlich weder vom Anästhesisten, noch von den Schwestern zu unterscheiden. Ich wurde verlegt und mein rechter Arm fixiert (in dem sich mein Zugang befand), bekam die Aufgabe, von 10 rückwärts zu zählen, bin bei 8 gestoppt und eingeschlafen.
Laut meinen Eltern bin ich nicht sofort klar wieder aufgewacht, meines Empfindens nach jedoch schon, da ich mich an keinen vernebelten Zustand mehr erinnern kann. Von der Vollnarkose an sich weiß ich nur noch, dass ich, als ich wieder zu 100% bei mir war, fest davon ausgegangen bin, dass jetzt bereits Montag sei und ich gleich mein Frühstück serviert bekomme. Dass nur knapp zwei Stunden vergingen, realisiere ich bis heute kaum, ebenso wie die Abende für mich nicht existieren, die ich exzessiv mit Alkohol verbracht habe, wodurch mir jegliches Erinnerungsvermögen fehlt. Vollnarkose ist ein Zeitvertreib, wo Du (hoffentlich) ein Stück deines gesundheitlichen Wohlbefindens zurückerhältst, ein Zeitvertreib, an dem Du aktiv eigentlich gar nicht dran teilhast, sondern währenddessen Mitten im Nirgendwo schwebst, darauf wartend, dass das Narkotikum endlich nachlässt und deine Sinne nicht länger unterdrückt. -
Ich muss zugeben, dass mir die Bedeutung meines Namens besser gefällt, als mein eigentlicher Name, jedoch würde ich mich nicht unbedingt den Hautflüglern zuordnen, da meine Insektenliebe grenzenlos den Libellen gilt. Daher: Nein. Nicht unbedingt.
Das, was ich an "Melissa" von Herzen mag, ist die Tatsache, dass sich mein Vater schon im frühen Kindesalter gewünscht hat, seine Erstgeborene so zu nennen. Und hier bin ich. -
In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich immer noch, dass es in Betracht gezogen wird, solche Fragen überhaupt stellen zu müssen. Ich dachte, die allgemeine 'Aufklärung' wäre schon vor mindestens sechs Jahren vollzogen worden, als der hier angesprochenen Subkulturentrend ausbrach. Vielleicht liegt es daran, dass den Kindern wegen dem Altersdurchschnitts wohlmöglich jede Erinnerung daran fehlt. Oder aber, sie sind all das, was ich zwischendurch gerne wäre: Dumm. Einfach dumm. Die Welt durch falschen Augen zu sehen, kann mit Sicherheit ab und an viel stressfreier sein. Jemanden für seine Taten (Schnitte, Verbrennungen) zu beleidigen, anstatt sich auch nur annähernd vorstellen zu können, was für ein Schicksal dahinterstecken muss.
Des Weiteren habe ich selbst, als derzeitige Schneiderin in halbjähriger Remission, nicht den geringsten Funken Mitleid mit denjenigen, die sich nach wie vor in dem Teufelskreis befinden. Entweder weil ich die angesprochene Seite nutze, oder aber weil jeder von uns für seine eigenen Narben verantwortlich ist. Die Auslöser sind zwar nicht gezwungenermaßen stets wir selbst, aber wir sind dennoch diejenigen, die uns verletzten. Und ich bemitleide keine getroffene Entscheidung von irgendwem, und vor allem nicht dann, wenn diese Entscheidung dazu beiträgt, dass sich die Persönlichkeit danach besser fühlt. Auch nicht dann, wenn ich weiß, dass es verdammt nochmal bessere Mittel und Wege gibt, Druck abzubauen. Ich habe kein Mitleid mit, sondern Hoffnung in ihnen, dass sie schnellstmöglich herausfinden, was ihnen ohne schmerzhafte Eigenschädigung hilft. -
Seit der letzten anorektischen Phase im vergangenen Sommer, nahm ich zwölf Kilogramm zu. Zwar musste ich mich schweren Herzens von meinen Lieblingshosen im Kleiderschrank verabschieden, und hatte teilweise dadurch das Gefühl, mindestens zwölf Kilogramm zu viel auf den Hüften zu haben, was sich durch einen Stadtbesuch in Klamottengeschäften kurzzeitig nur noch verstärkte, weil eine 32 undenkbar ist und eine 36 keine klaffenden Falten mehr schlägt, sondern ich nur noch dann reinpasse, wenn ich aufhöre zu atmen und es ja nicht wagen würde, mich in ihr angekleidet je zu bewegen, aber letztendlich bin ich froh darüber, zwölf Kilogramm zugenommen zu haben und mir dabei auch noch eingestehen zu können, dass ich nicht (zu) dick bin, sondern einfach nur gesund aussehe, und dabei trotzdem gut.
Ich bin stolz darauf, dass ich bemerkt habe, dass es für meinen gesamten Organismus besser ist, die zwölf Kilogramm mehr zu besitzen. Und ich bin stolz darauf, es derzeit nicht in Betracht zu ziehen, die zwölf Kilogramm schnellstmöglich wieder zu verlieren. -
Ich habe darüber nachgedacht.
Ich habe gerne Sex. Ich habe gerne und viel Sex. Ich liebe Sex. Und ich habe so oft und mit so vielen verschiedenen Menschen Sex, wie ich Sex mit ihnen haben möchte. Ich rede auch gerne über Sex. Sex ist kein Tabu-Thema. Sex sollte zumindest kein Tabu-Thema sein. Sex ist eine absolut wunderbare Sache, insofern Sex mit der Einwilligung aller beteiligten Parteien passiert, gleichgültig, wie viele auch immer es sein mögen.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, den Geschlechtsakt zu vollziehen, und nicht alle gehören zu sexuellen Handlungen, die für mich den Inbegriff der Lust darstellen, aber bevor ich es mir auch nur annähernd erlauben würde, einen Menschen aufgrund seiner Vorlieben zu be- oder verurteilen, würde ich mir lieber lebenslänglich Orgasmen untersagen, und ich liebe Orgasmen ebenso wie Sex. Wenn mir mein Gegenüber erzählt, er hätte Freude an wechselnden Geschlechtspartnern, gilt mein einziger Gedanke nicht der umgangsprachlichen Bezeichnung eines inzwischen in Deutschland anerkannten Berufs, sondern viel eher der Verhütung, weil Sexualkrankheiten heutzutage doch eigentlich schon viel zu leicht zu unterbinden sind, als daran noch einen Teil der Gesundheit verschwenden zu müssen, aber selbst das ist nicht zwangsläufig meine Angelegenheit. Mich hat nur mein eigener Körper zu interessieren. Und der desjenigen, mit dem ich gerade die Grenzen der Intimsphäre überschreite, jedoch konzentriere ich mich währenddessen lediglich nur auf das, was ich gerade mit meinem Partner mache, und nicht auf das, was vor mir schon mit ihm getan wurde, oder nach mir noch mit ihm getan wird.
Ich liebe jetzt, gleichgültig, wie viele Körper ich vorher schon nackt geliebt habe.
Ich werde auch jetzt geliebt, gleichgültig, wie viele Körper vor mir schon nackt geliebt worden sind.
Und wenn ich wirklich gründlich darüber nachdenke und mal darüber hinwegsehe, dass ich seit einigen Jahren kein Mädchen mehr bin und deswegen auch schon seit einigen Jahren nicht mehr mit (anständigen) Jungen verkehre, würde ich ohnehin nie mit jemanden verkehren wollen, der mich wegen der Anzahl verflossener Liebschaften in eine Schublade steckt. Wer nicht mit mir schlafen will, weil er danach beispielsweise bereits die vierunddreißigste Kerbe an meiner Bettkante wäre, dem hätte ich es auch nicht gestattet, erst die Nummer 2 zu sein. -
Tysabri-Infusion Nummer 1, in deiner wunderbarer Ferngesellschaft, die bald nicht 483 Kilometer entfernt von mir nur auf dem Bildschirm zu betrachten sein wird, sondern währenddessen meine Hand hält und mir vielleicht sogar etwas vorliest, mir Geschichten erzählt, oder mich einfach nur der Stimme zuhören lässt.
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Das Jahr, welches ich mir selbst auf dieser Internetplattform geschenkt habe, hat mich verändert und letztendlich auch geprägt. Ich bekam die Möglichkeit verschiedene Weltansichten zu betrachten, habe die Toleranz aus einem völlig anderen Blickwinkel kennengelernt, mich in Meinungen wiedergefunden, mich durch Meinungen weiterentwickelt und in erster Linie viel über meine eigene Persönlichkeit (dazu)gelernt. Selbstreflexion ist fortan mein stetiger Begleiter, durch die ich unter anderem auch herausgefunden habe, dass ich der Multiplen Sklerose doch mehr gewachsen bin, als ich ehemals dachte.
Die Fragen, die hier überwiegend an alle gestellt worden sind, beantwortete ich durchgehend nur für mich. Meine Wortwahl sollte stets einzig und allein mir gefallen, ebenso wie die Thematik, die öfters intimer aufgefasst wurde, als es für mich eigentlich war. Ich gab keinen Wert auf überflüssige Kommentare Unbekannter und versuchte ebenso nie, mich in einem perfekten Licht darzustellen. Ich versuchte nicht aufgesetzt ironisch zu wirken, zeigte mich nicht sonderlich humorvoll, sondern war schlicht und ergreifend ehrlich, und das nicht, um verstanden zu werden oder um auf Verständnis zu treffen, sondern nur, um einzig und allein mich (besser) zu verstehen. Mitleid wollte ich mit keinem einzigen Satz erregen. Es war noch nicht einmal meine Absicht, hier überhaupt auf Aufmerksamkeit zu stoßen. Ich fing bei 0 an und schrieb nur für mich, und egal wo es mich hiernach hintreiben wird, ich werde dort ebenso wieder bei 0 beginnen und dort weitermachen, wo ich gezwungen bin, heute aufzuhören.
Für die beinahe 200 Folgschaften bin ich dankbar, aber durch keine Zahl bis zur Unendlichkeit hätte ich herausgefunden, dass auch ich irgendwie trotz allem liebenswürdig sein kann, sondern nur durch die Gelegenheit konnte ich es tun, die ich mir selbst gegeben habe, mich hier zum Ausdruck zu bringen, mich somit zu überdenken, nachzudenken. Ich brauchte nie jemanden, der mich liest, sondern immer nur diejenigen, die ich (versteckt) gelesen habe, weil alle von ihnen dazu beitrugen, dass ich heute das hier verfassen kann. Ohne euch gefunden zu haben, hätte ich mich vielleicht auch nicht selbst entdeckt.
Und der letzte Gedanke dies betreffend gilt einem Menschen, den ich hier kennengelernt habe. Bei dem ich an dem Tag war, an dem öffentlich gemacht wurde, dass der 31. März das Ende sein wird. Ich widme diese Zeilen unserer Bindung zueinander, in der Hoffnung, dass das, was sich zwischen uns befindet, länger bestehen bleiben wird, als es die Seite abschließend leider konnte. -
Am 18. März stieg ich relativ spontan mit einem für mich viel zu schweren Koffer in eine Regionalbahn, und fuhr insgesamt beinahe 500 Kilometer mit viermal Umsteigen zu einem Lieblingsmenschen, was aufgrund meiner körperlichen Belastbarkeit zu dem gehört, das ich weiß Gott nicht für jeden x-beliebigen tun würde. Ich investierte Zeit, Geld, Kraft und Nerven in einem Ausmaß, das mir relativ unbekannt war, gab mich eventuell sogar blind einem Abenteuer hin, von dem ich vorher nur träumen konnte, und gewann in einer letztendlich leider doch viel zu kurzen Zeit an neuen Erkenntnissen, die mir im Nachhinein betrachtet irgendwie gefehlt haben. Das, was ich getan habe, würde ich nur für den einen bestimmten Herzabschnitt immer wieder tun, weil ich weiß, dass mich dort ein Gefühl erwartet, das mir seit langem nirgendwo anders gegeben werden kann, und dafür ist mir inzwischen kein Weg mehr zu weit.
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Indem ich mit dem Hund über Felder renne.
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Vor sechs Jahren wurde ich von meinen angeblich besten Freundinnen, die ich zu dem Zeitpunkt teilweise schon seit frühster Kindheit kannte, innerlich getötet. Zuerst stachen sie nur zu viert mit Worten auf mich ein, bis ich letztendlich aber von mehr als zwanzig Mittätern verbal ausgeweidet worden bin und auch mein Körper zu Schaden kam. Nach zwei Monaten war ich so gebrochen, dass ich nicht mehr auf die Straße gehen konnte, ohne auch nur schon bei den Gedanken daran Panikattacken zu erleiden.
Weil ich zum ersten Mal in meinem Leben geliebt habe.
Weil ich kein Geheimnis daraus machen wollte.
Weil ich glücklich gewesen bin, zu glücklich, um nicht auch den Menschen davon zu erzählen, mit denen ich all meine Geheimnisse teilte.
Weil ich ein Recht darauf hatte, alles so auszuleben, wie jeder andere im Alter von vierzehn auch.
Weil ich mich nicht verstellt habe.
Weil ich mich nicht verleugnet habe.
Weil ich keinen Grund gesehen habe, weshalb ich nicht dazu, zu mir, stehen sollte.
Weil ich das tat, wovon alle immer in Glitzerschrift gesprochen haben, es angeblich stets tun zu würden — weil ich Ich selbst war.
Weil ich zu gutgläubig war.
Weil ich nicht dachte, nicht akzeptiert zu werden.
Weil ich mir nie als "falsch" vorkam.
Weil ich mich anfangs lauthals vor allen verteidigte, anstatt mich stumm unterzuordnen, als sie sagten, ich solle wieder "normal" werden.
Weil ich mich geoutet habe.
Weil meine erste große Liebe Rachel hieß.
Weil meine erste große Liebe eine Frau war.
Weil wir eine ernste, langjährige, homosexuelle Beziehung führten.
Weil Menschen schrecklich sind. -
Was ist der Sinn des Lebens? Leben wir nicht dafür, um herauszufinden, was in diesem Leben lebenswert ist? Hätte das Leben überhaupt noch einen Sinn, wenn wir unseren Lebenssinn wüssten? Würden wir uns mit nur einem Sinn zufrieden geben? Würden wir nach dem einen gefundenen Sinn, noch nach mehreren anderen Sinnen begehren? Und wenn das "Mehr" der Lebenssinn sein sollte, wieso bekommen wir dann nie genug? Müsste nicht eigentlich der Tod der Sinn des Lebens sein, weil er unsere einzig unausweichliche Konstante ist und danach einfach nichts mehr kommt? Macht am Ende nicht immer alles einen Sinn?
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Ich bin zu alt, um meine Eltern noch über meine medizinische Versorgung entscheiden zu lassen, aber noch zu jung, um bereits körperlich eingeschränkter zu sein, als es die Eltern meiner Eltern momentan sind und auch wohlmöglich je sein werden.
Ich bin zu weise, um zu wissen, dass sich so etwas wie die Idealisierung "Für immer" früher oder später in der Zeit auflöst, aber noch zu unerfahren, um zu wissen, wie schwierig ein ernst gemeintes und geschworenes "Nie wieder" in Wirklichkeit eigentlich sein kann. -
Ich höre Wanduhrenticken und meinen Herzschlag, ich sehe durch mein Dachfenster die durch den Schnee und Straßenlaternen rötlich wirkende Nacht, habe den bitteren Nachgeschmack der letzten Schmerztablette auf der Zunge liegen, rieche den schwachen Vanilleduft eines Teelichts und fühle eine Kombination aus Unruhe, Nervosität und Angst, die mich seit zwei Stunden wach hält, und mich wenn überhaupt, derzeit noch knappe fünf Stunden schlafen lässt, bevor mein Alltag wieder beginnt, in dem mir Latein vorerst leider Gottes nicht begegnen wird.
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Politische und gesellschaftliche Gleichstellung eines jeden Geschlechts und die der homosexuellen Lieb- und Partnerschaften, konstant fachmedizinische Behandlungsmaßnahmen nach Schweregrad der Diagnose und Ernsthaftigkeit der Symptomatik, nicht nach privaten und gesetzlichen Krankenkassenversicherungen, Heilung, zumindest effektiven Krankheitsstopp, das Verbot von Massentierhaltung, eine Schwangerschaft, Sex bis zur Besinnungslosigkeit haben (ohne Rücksicht auf sonstige Bedürfnissen, weil sie irrelevant werden), einen Tag in einem 5-Sterne-Hotel nur im Bett verbringen, per Anhalter quer durch das Land fahren, dass ich mehr als nur Freudentränen empfinde und vor Glück und positiven Emotionen Wimperntusche komplett verlaufen lassen, so, wie ich es sonst nur einem Nervenzusammenbruch nahe tue, in einer riesigen Bibliothek nach Vergangenheiten recherchieren, mit einem geliebten Menschen realistisch die Zukunft planen und angstfrei sein, herausfinden, wie sich zweifellose Sicherheit anfühlt.
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Auch wenn es hier mit eigentlich nicht mehr viel zutun hat und ich dafür höchstwahrscheinlich auch nicht suizidal genug denke, aber ich würde nicht im Leben versuchen, Selbstmord mit handelsüblichen oder apothekenpflichtigen Medikamenten und/oder Nahrungsergänzungsmitteln zu begehen. Die Mengen, die letztendlich nötig wären, um überhaupt davon einzuschlafen, geschweige denn gar nicht mehr aufzuwachen, und wenn doch, dann mit bleibenden Schäden, die früher oder später über kurz oder lang zum Tod führen würden, wären mir schlichtweg einfach zu teuer für den öffentlichen Erwerb von meinem eigenen Geld. Wenn ich sterben möchte, bin ich verzweifelt und nicht spendabel und experimentierfreudig, was Mittel und Wege angeht, würde also viel eher ärztlich verordnete Rezepte missbrauchen, bei denen ich mir durch die Einnahmevorschrift und Packungsbeilage sicherer sein kann, dass in Verbindung mit Alkohol der gewünschte Effekt auch schnellstmöglich eintreffen wird.
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Wenn ich Besuch von ihr erwarte, trinken wir immer eine große Kanne Früchtetee miteinander, sitzen tagsüber unter meinem Dachfenster, beobachten Wolken und Vögel, hören Wanduhrenticken und einen Lieblingsradiosender, und legen uns, sobald die Dunkelheit einbricht, in das Bett und schauen anstatt in den Sternenhimmel, die Zimmerdecke an. Wir teilen uns Kopfkissen und Decken, wärmen uns gegenseitig, lesen uns vielleicht etwas vor und genießen die Melancholie, die sich ebenso zu uns gesellt, vergessen Raum und Zeit und schließen unsere Seelen für diese Augenblicke vor der Außenwelt ab, weil wir mit uns allein sein wollen, unabhängig davon, welcher Tag heute ist und ob es draußen regnet oder die Sonne scheint. Wir sind froh miteinander, wenn auch auf eine nicht unbedingt nachvollziehbare, sondern eher betrübte Art und Weise, die ich zwischendurch in mir sogar liebe, weil sie mich daran erinnert, dass es in mir auch noch ein anderes Bedürfnis gibt, als das ständige Streben nach Perfektion. Mit ihr kann ich mich am besten fühlen, einfach mal nicht nachdenken, sondern schwimmen, treiben, ziellos sein — etwas, das ich als Alltagsausgleich dringend benötige, um mir darüber bewusst zu werden, dass es in Ordnung ist, nicht durchgehend zu funktionieren. Sie erinnert mich an innere Ruhe und ich würde es nicht in Träumen wagen, ihre Anwesenheit anzuschreien und wegzuwünschen. Sie ist willkommen. Ich tue nichts gegen sie, sondern immer nur irgendetwas mit ihr, weil ich dankbar bin.
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Melissa Liebellei’s Bio
Vorstadtgartenblumenbeet
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Mit einem großen Hang zur Pseudophilosophie tanze ich den Drahtseilakt auf allen Grenzen, bin stetig zwischen schwarz und weiß hin- und hergerissen, doch niemals ganz in den Graustufen befindlich.


