Du darfst mich alles fragen.
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Ich wurde nachlässig, gab mir immer weniger Mühe und wurde mit jedem Tag unglücklicher, und als ich dann jemanden kennengelernt habe, mit dem ich glücklich sein konnte, verlor die Beziehung meine Bereitschaft gänzlich. Von meiner Seite aus kam nichts mehr an Gefühlen und Engagement, und somit war es zu Ende. Es gab nur noch einen Weg zu gehen, und dieser hieß: die Wahrheit aussprechen.
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Nach außen hin geht es mir ziemlich gut. Es passiert viel derzeit, für meine Verhältnisse viel zu viel. Ich bin überfordert und aus diesem Grund stiller geworden, teilweise sogar etwas emotionslos und kühl. In Wirklichkeit geht es mir ganz und gar nicht gut, aber das sollte ich lieber nicht schreiben, denn faktisch gesehen ist nun alles besser:
- Ich habe einen Job, den ich liebe.
- Ich führe ein geregeltes Leben.
- Ich habe ein Zuhause, indem ich mich wohl fühle.
- Ich bin Teil einer seltsam-schönen Familienkonstellation.
- Ich habe einen Partner an meiner Seite.
- Ich habe Freunde, die zu mir stehen.
- Ich glaube meine Berufung gefunden zu haben.
- Ich habe viel freie Zeit. -
Nach der Realschule habe ich in Stuttgart die Fachhochschulreife erlangt. Im Sommer 2011 habe ich mich quer in Deutschland für die Studienfächer Psychologie, Wirtschaftspsychologie und Soziologie beworben. Aus Kassel kam eine Zusage. Aufgrund von persönlichen und familiären Ereignissen bin ich im August von Zuhause abgehauen und habe mich in Kassel in einer WG niedergelassen. Trotz aller Mühen konnte ich mich an der Uni nicht einschreiben lassen, und so habe ich mich dafür entschieden, etwas Gutes zur Überbrückung des Jahres zu tun. Erst habe ich einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) ausgeführt, doch die Tätigkeiten dort entsprachen nicht meinen Vorstellungen und waren zudem sehr uninteressant für mich. Dort habe ich gekündigt und mich an einen FSJ-Träger gewandt. Innerhalb von einer Woche wurde mir eine traumhafte Stelle zugeteilt. Seitdem mache ich das FSJ und bin mehr als glücklich, denn ich habe erkannt, welcher berufliche Zweig tatsächlich etwas für mich sein könnte. Ich bin täglich dabei und liebe es, im OP zu arbeiten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, etwas in Richtung Medizin zu machen. Anästhesie ist derzeit mein Favorit. Doch dafür fehlt mir das volle Abitur, das ich nachholen müsste. Ich überlege derzeit, ob es nicht vorteilhafter für mich wäre, eine Ausbildung zum OP-Assistenten zu machen. Das und auch das FSJ würde mir angerechnet werden, und mit entsprechender Berufserfahrung dürfte ich Medizin studieren. Eventuell könnte ich auch etwas anderes studieren und mich mit meinem Bachelor-Abschluss für Medizin bewerben. Aber das alles werde ich mir noch sehr oft durch den Kopf gehen lassen.
Ich habe schon immer sehr lange gebracht, bis ich Freundschaften schließen konnte. Mittlerweile habe ich zwei Freunde hier, die ich nicht aus dem Netz kenne. Es geht voran. Davon unabhängig gibt es einige große Themen, die mir allen Spaß und jedes Lächeln rauben, und für die ich keine Lösung kenne. -
Die Postfrau klingelt, ich renne die Stockwerke hinuter und nehme freudig den lang ersehnten Umschlag aus dem Briefkasten, laufe die Treppen hoch und bin außer Atem, als ich auf der Couch liege und vorsichtig das Papier aufreiße. Erst lese ich die beiden Postkarten, die sich vorne in der Bewerbungsmappe befinden, und dann laut den Text, der auf dickes, wertiges Papier gedruckt ist und bald darauf mein Leben in ein besseres verwandeln wird. Während des Lesens stockt mir oft der Atem, manche Sätze muss ich wieder und wieder lesen, und gegen Ende des Textes weine ich leise. Aus Glück und aus Freude. Weil noch kein Brief so wichtig für mich gewesen ist und weil kein Brief jemals so rührend war. Mich rührt, wie die Verfasserin des Textes ein Bild von mir zeichnet, das satt und edel ist, und wie sie mir Fähigkeiten zutrauen und mich ziemlich gut kennen kann, obwohl sie mich noch nie getroffen oder erlebt hat. Mit klaren Worten zaubert sie mir ein großes Lächeln in's Gesicht und ein größeres in die Augen, schenkt mir mit einem Mal ein enormes Maß an Zuversicht und das, was mir in den letzten zwei Jahren am meisten gefehlt hat: Wertschätung.
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Bis zuletzt dachte ich, dass wenn meine Familie erfahren würde, dass ich homosexuell bin, sie mich verprügeln, verschlagen und verstoßen würde. Ich hatte diese schreckliche Vorstellung im Kopf, in der mich mein Vater bewusstlos und krankenhausreif schlägt, mich gar umbringt. Aus diesem Grund, aus Angst um mein Leben wollte ich das Outing vermeiden, solange ich es eben vermeiden konnte. Jedoch kam es - wie alles andere auch - anders, als ich es erwartet hatte: Im angetrunkenen Zustand sagte ich meinen Eltern, dass ich es nicht mehr aushalte, dass ich nicht mehr damit leben kann; dass ich es satt habe, zu lügen, und dass sie die Wahrheit kennen sollten. Den Grund, weshalb ich an diesem Samstagabend getrunken hatte. Und dann sagte ich es ihnen.
Vielleicht war die Entscheidung, es ihnen in dieser Nacht zu sagen, das dümmste, was ich je getan habe, vielleicht aber auch nicht. Für mich war es jedenfalls eine enorme Erleichterung, ein Loslassen aller Lasten, ein Gefühl von endloser Freiheit. Für meine Eltern nicht, denn ich hatte sie mit einer Tatsache belastet, mit der sie nicht umgehen konnten. Mit der sie vielleicht niemals werden umgehen können.
Meine Eltern reagierten "ruhig" darauf, versuchten mit mir darüber zu sprechen, wurden in jener Nacht kein einziges Mal laut. Ich glaube, dass sie zu sehr unter Schock standen. Sie sprachen bis in die Morgenstunden mit mir, und je heller es draußen wurde, desto trauriger wurden ihre Stimmen. Sie so zu sehen, brach mir das Herz, denn ich war "Schuld" an ihrer Traurigkeit, ich hatte sie in diese dunkle Schlucht gestoßen, aus der sie jetzt - fast einen Monat nach meinem Outing - immer noch nicht heraus gekommen sind. Die folgenden Tage waren nicht erfreulich für mich. Ich bekam zu hören, dass ich falsch, schlecht und abartig sei, sie mich nicht als Sohn akzeptieren könnten, solange ich krank sei. Was sollten die Verwandten denken, was die Bekannten? Das sei doch nicht im Sinne von Gott, niemals wieder könnten sie aufrecht gehen. Und als sie sagten, dass ich weder studieren, noch ausziehen darf, solange ich nicht geheilt bin, platzte in mir etwas ab.
Ich weiß nicht, was ich mir erhofft habe, als ich es ihnen sagte. War es Mitleid, Nachsicht oder gar Verständnis? Ich wollte es ihnen einfach nur sagen, hatte mir aber keinerlei Gedanken über die unmittelbaren Konsequenzen gemacht. Im Nachhinein bereue ich den Zeitpunkt meines Outings, aber nicht mein Outing selbst. Das Freiheitsgefühl, das ich in der Nacht verspürt habe, verflüchtigte sich sehr schnell, denn ich bekam schon am nächsten Tag das Gegenteil zu spüren: Beleidigungen der verletzendsten Art, verbale Attacken auf meine Person, das Bezweifeln meiner Urteilsfähigkeit und meiner Intelligenz, Schlafentzug, Internetverbot, ... sprich: unerträglicher, psychischer Druck, viel schlimmer, als er es vor meinem Outing gewesen ist. Ich konnte nicht mehr ruhig schlafen, hatte jede Nacht Albträume und war morgens von Kopf bis Fuß nassgeschwitzt. Ich hatte mehr Angst, als jemals zuvor in meinem Leben.
Der Entschluss zu gehen war nicht einfach, aber konsequent. -
Mir ist jedes Kompliment unangenehm, weil ich meistens nichts damit anfangen kann, selbst wenn es angemessen und in dem Moment einfach passend ist. Vielleicht liegt das aber auch an meinem "Selbstwertgefühl", das mir so gut wie immer sagt: "Nein, so ist das doch gar nicht! Ich habe doch nichts Großes gemacht! Das ist nichts Besonderes, so etwas mache ich ständig! Wirklich, dafür brauche ich nicht gelobt zu werden!"
Ich verstehe dann aber nicht, weshalb ich mich aufrege, wenn ich für einen guten Job nicht gelobt werde. Eigentlich sollte man sich über Lob und Komplimente freuen, aber ich kann das irgendwie nicht so, wie ich sollte. Deshalb ist mir das unangenehm.
(Freue mich insgeheim trotzdem.) -
Nein, ich rauche nicht. Ich sehe keinen Nutzen darin und kann mich dafür auch nicht erwärmen. Die Kosten sind immens, die Schäden viel zu hoch; da möchte ich nicht mitspielen. Lieber kaufe ich mir – wie meine Großmutter immer zu sagen pflegt – etwas zu essen mit dem Geld und fülle meinen Bauch.
Ich fühle mich unwohl, wenn in meiner Gegenwart, vor allem in geschlossenen Räumen geraucht wird, kann das aber bis zu einem gewissen Punkt tolerieren. Sobald dieser Punkt erreicht ist – mehr als eine Zigarette innerhalb von 20 Minuten – werde ich grantig. Dann drücke ich entweder meine Abneigung aus und wünsche mir Besserung der Umstände, oder ich verlasse den Raum. Draußen, im Freien, ist das gar nicht so schlimm, wobei ich es auch nicht leiden kann, hinter Rauchern herzulaufen. -
Geld, denn damit lassen sich Macht und Schönheit erkaufen.
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Ja, ich bin einfach gegangen und nein, es war nicht einfach. Ich habe keinen Abschiedsbrief geschrieben und mich nicht verabschiedet. Alles, was ich bei mir hatte, war die Bekleidung an meinem Körper und ein Rucksack, indem sich die wichtigsten Dokumente und mein Teddybär befanden.
(Den Teddy hätte ich niemals zurückgelassen, und ich wäre nicht gegangen, wenn er nicht bei mir gewesen wäre. Wir kamen zusammen auf diese Welt und wir werden zusammen von dieser Welt gehen.) -
Kirschblütenbaum.
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Jup. Ein paar Sorgen habe ich zwar, doch insgesamt geht es mir gut. Ich fühle mich wohl und werde bestens umsorgt.
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Zwei Döner schaffe ich Dank jahrelangen Trainings ohne Probleme, doch Anfang des vierten Döners werde auch ich träge und etwas schnappi. Zu beachten ist hierbei die Zusammensetzung des Teiges und des Dönerfleisches, denn das hat große Auswirkungen darauf, wieviel man zu sich nehmen kann.
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Drei Schlüssel und der abgehackte Kopf einer blonden Barbie zieren mit Freude meinen Schlüsselbund.
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- Effektives Sparen an allen Ecken und Enden
- Den Drang zur Ordnung und klinisch-antiseptischen Reinheit
- Dass die Gesellschaft in ihren Augen wichtiger ist als der Einzelne
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