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1.:Auch, wenn die Narben/Wunden einen unschönen, traurigen Schleier über das Bild legen, ist es trotzdem noch wunder-, wunderschön! Du bist so wahnsinnig hübsch, auch wenn du, wie ich in deinen anderen Antworten gelesen habe, es nie akzeptieren wirst.

  • Elisa

    [Fortsetzung]Ich bewundere dich dafür, dass du dich traust, deine Narben so offen zu zeigen. Wie lang hast du gebraucht, um deine Narben so offen zeigen zu können? Wenn dir diese Frage zu persönlich ist, dann entschuldige bitte & ignoriere sie einfach!

    Erstmal möchte ich dir für das liebe Kompliment danken.
    Des Weiteren habe ich sehr lange gebraucht, um mich dafür entscheiden zu können, meine Narben als einen Teil meines Körpers und meines Daseins zu akzeptieren. Ich habe mich nie für sie geschämt und habe sie mir auch nie weggewünscht oder gar gehasst, nein, ich hatte bloß Angst vor den Reaktionen meiner Mitmenschen, da man heutzutage so schnell durch die Geschehnisse in der jeweiligen Vergangenheit verurteilt wird. Als mein selbstverletzendes Verhalten noch nicht so stark ausgeprägt war, bin ich oft mit T-Shirts durch die Gegend gelaufen. Ich war schließlich erst 11-12 Jahre alt und mir wahrscheinlich nichtmal richtig darüber im Klaren, was ich meinem Körper mit den Schnitten in der Haut antue. Als meine Beste Freundin davon erfuhr, lief ich schon nurnoch mit Oberteilen oder Jacken durch die Gegend, die lange Arme hatten. Wenn die Wunden verheilt und nicht mehr/kaum sichtbar waren, erlaubte ich es mir wieder, Oberteile mit kurzen Armen zu tragen. Gegen Ende 2010 wurden die Wunden tiefer und sichtbarer, es blieben Narben zurück. Da ich keines Falls wollte, dass ein anderer Mensch sieht, wie schlecht ich mit mir und meinem Körper umgehe, trug ich nurnoch Jacken über T-Shirts oder gleich Oberteile mit langen Armen. Anders war es mir nicht mehr möglich. Ich wollte es nicht mehr. Zuhause konnte ich jedoch anziehen, was ich wollte, als meine Mutter von meinem selbstverletzenden Verhalten erfuhr. Hier wurde nicht verurteilt, man wollte mir bloß helfen. Ein Mal im Jahr 2011 habe ich meine Jacke im Sommer ausgezogen, als alle Wunden verheilt waren und durfte die Blicke der anderen auf mir spüren. Danach trug ich den ganzen Sommer lang Jacken in der Schule, weil es mir unangenehm war, andere an meiner Vergangenheit teilhaben zu lassen, die sich mittlerweile deutlich auf meinem Körper abzeichnete. Manchmal traute ich mich aber, Strumpfhosen anzuziehen, obwohl auch meine Beine etliche Narben tragen. Zudem hatte ich in der Stadt gelegentlich nur T-Shirts an, weil ich viele neue Leute kennenlernte und sie direkt mit dem konfrontieren wollte, was ich mit mir anstelle. Die Blicke der Menschen in der Fußgängerzone ignorierte ich weitestgehend, bereute aber oft, keine Jacke dabei zu haben. Ich war zu der Zeit schon einmal in der Psychiatrie, hatte mich aber noch immer nicht dazu bringen können, aufzuhören, meinen Körper zu zerschneiden. Einige in meiner Schule wussten von meinem Aufenthalt in der Psychiatrie, einige wussten von meinem SVV und ich, ich hätte am liebsten jedem das Gedächtnis ausgelöscht. Nachdem ich im Oktober einen Selbstmordversuch startete, 3 Tage ins Krankenhaus und danach 12 Tage nochmals in die Psychiatrie kam, wurde ich offener. Mich störte es kaum noch, wenn jemand wusste, was ich mir antue. Schließlich ist und war es ganz allein meine Sache, was ich meinem Körper zumute und was nicht. Manchmal, wenn man die Verbände an meinen Handgelenken sehen konnte, zog ich mir die Ärmel nicht über die Hände, wie ich das sonst immer gemacht hatte. Ich lies sie so. Und nachdem ich im Dezember erneut 8 Tage in der Psychiatrie war und meine Mutter mich gegen ärztlichen Rat entließ, wusste sowieso fast jeder, was mit mir los ist. Irgendwann diesen Jahres entschloss ich mich dazu, meine Jacke in der Schule auszuziehen, wenn mir zu warm war. Trotz Verband, der gelegentlich meine Arme zierte. Es war mir fast egal, was man von mir dachte. Und so traute ich mich mit der Zeit, öfters meine Jacke auszuziehen. Bis ich schließlich dazu bereit war, selbst dann in T-Shirt in der Schule rumzulaufen, wenn ich neue Wunden an den Armen hatte. Die Blicke der Menschen um mich herum entgingen mir nicht, waren aber einfacher auszublenden, als ich bisher gedacht hatte. Ich bekam ein paar Gerüchte über mich mit, über welche ich teilweise wirklich lachen musste, weil sie einfach so absurd waren, aber ich kam damit klar. Somit entschloss ich mich mit der Zeit dazu, die Schule auch ohne Jacke zu besuchen, oder diese auszuziehen, wenn mir danach war. Heute kann ich auch akzeptieren, wann man meine Narben auf Bildern sieht. Sie gehören schließlich zu mir. Ich werde dieses Narbenkleid mein Leben lang tragen müssen und es nicht einfach ausziehen können, wenn mir gerade danach ist. Entweder, man lebt damit, oder man schaut weg.